Notfallnummern für die Reiseapotheke: So vorbereitet reisen Sie
Kurzantwort: Zur Reiseapotheke gehören nicht nur Medikamente, sondern auch wichtige Notfallnummern: die europäische Notrufnummer 112, landesspezifische Notrufe (USA: 911, Australien: 000), der ärztliche Bereitschaftsdienst Deutschland (116 117), Giftnotrufzentralen (Berlin: 030 19240, Bonn: 0228 19240) sowie Kontakte von Hausarzt, Krankenkasse, Auslandsversicherung und deutscher Botschaft. Diese Nummern sollten handschriftlich notiert werden, ergänzt durch ein medizinisches Notfallblatt mit Blutgruppe, Allergien und Dauermedikamenten.
Eine gut bestückte Reiseapotheke enthält Pflaster, Schmerzmittel und Durchfalltabletten. Das wissen die meisten. Was viele vergessen: Medikamente nützen wenig, wenn man nicht weiß, wen man im Ernstfall anrufen soll. Ein Herzrasen nachts in einem Hotel in Lissabon, ein Allergienanfall auf einem Markt in Bangkok, ein Sturz beim Wandern in den Dolomiten. In solchen Momenten entscheiden Sekunden. Wer die richtigen Nummern kennt, handelt schneller und ruhiger.
Die wichtigsten Notrufnummern auf einen Blick
In allen EU-Mitgliedstaaten gilt die 112 als einheitliche Notrufnummer für Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei. Sie funktioniert auch ohne SIM-Karte und ohne Guthaben. Wer aus Deutschland heraus wählt, landet beim deutschen Leitstellensystem. Wer sich in Italien befindet und 112 wählt, wird mit der italienischen Notfallzentrale verbunden. Wichtig: In einigen Ländern gibt es zusätzliche nationale Nummern. In den USA etwa ist der Notruf 911, in Australien 000, in Japan 119 für Rettungsdienst und Feuerwehr sowie 110 für die Polizei. Diese Nummern sollte man vor der Reise aufschreiben, nicht nur im Handy speichern. Handys können entladen sein, verloren gehen oder gesperrt werden.
Neben dem allgemeinen Notruf gibt es spezialisierte Kontakte, die im Gesundheitsnotfall oft relevanter sind. Der ärztliche Bereitschaftsdienst in Deutschland ist unter 116 117 erreichbar, rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen. Diese Nummer ist für Erkrankungen gedacht, die nicht lebensbedrohlich sind, aber nicht bis zum nächsten Werktag warten können. Wer unsicher ist, ob er den Rettungsdienst oder den Bereitschaftsdienst benötigt, kann auch dort anrufen und wird weitergeleitet.
Giftnotruf: unterschätzt, aber unverzichtbar
Vergiftungen durch falsch dosierte Medikamente, Pflanzenkontakt oder versehentlich geschluckte Substanzen passieren häufiger als man denkt. Gerade bei Kindern. In Deutschland gibt es mehrere regionale Giftnotrufzentralen. Zwei der bekanntesten sind in Berlin und Bonn erreichbar. Die Berliner Nummer lautet 030 19240, die Bonner 0228 19240. Diese Zentralen beraten nicht nur Privatpersonen, sondern auch medizinisches Personal. Im Ausland gibt es entsprechende Stellen in den meisten Ländern. In Österreich ist es die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43, in der Schweiz die Toxikologische Informationsstelle unter 145. Diese Nummern gehören handschriftlich auf einen Zettel, der in der Reiseapotheke liegt.
Vorwahlchaos vermeiden: So erreichen Sie deutsche Nummern aus dem Ausland
Viele Menschen wissen nicht, wie sie eine deutsche Nummer aus dem Ausland wählen. Dabei ist es einfach: Vor die Null der deutschen Vorwahl tritt die Ländervorwahl +49. Aus der 0228 wird also +49 228. Wer auf Reisen verschiedene Ländervorwahlen recherchieren muss, findet auf vorwahlen.net eine strukturierte Übersicht über internationale Vorwahlen, die auch mobil gut funktioniert. Für Nummern, die man selbst im Ausland anrufen möchte, gilt dasselbe Prinzip umgekehrt: Die führende Null der ausländischen Nummer entfällt, stattdessen steht die jeweilige Ländervorwahl davor.
Was in die Liste der Reisekontakte gehört
Neben den Notrufnummern sollte jede Reiseapotheke eine persönliche Kontaktliste enthalten. Diese Liste ist keine Formalität, sondern ein praktisches Werkzeug für den Ernstfall. Sie sollte folgende Angaben enthalten:
- Hausarzt mit Telefonnummer: Viele Hausarztpraxen geben auf Anfrage eine Nummer heraus, unter der man im Ausland Rückfragen zu Medikamenten stellen kann.
- Krankenkasse mit Notfallnummer: Gesetzliche Krankenkassen sind im EU-Ausland über die Europäische Krankenversicherungskarte abgesichert. Die Nummer auf der Rückseite der Karte ist relevant.
- Auslandsversicherung oder Reisekrankenversicherung: Diese haben oft eigene Assistancenummern, die rund um die Uhr erreichbar sind und im Ernstfall Krankenhäuser empfehlen oder Transfers organisieren.
- Deutsche Botschaft im Zielland: Die deutschen Auslandsvertretungen helfen bei Verlust von Reisedokumenten, können aber auch im medizinischen Notfall vermitteln. Eine aktuelle Liste der Botschaften führt das Auswärtige Amt.
- Lokale Apotheke am Urlaubsort: Wer diese Nummer am ersten Tag heraussucht und notiert, spart im Krankheitsfall unnötige Wege.
Medizinische Informationen griffbereit halten
Eine Notfallnummer allein hilft wenig, wenn der Arzt am anderen Ende nicht weiß, welche Vorerkrankungen und Medikamente relevant sind. Deshalb empfiehlt sich ein kurzes medizinisches Notfallblatt, das ebenfalls in der Reiseapotheke liegt. Darauf stehen Blutgruppe, bekannte Allergien, Dauermedikamente mit Wirkstoffnamen (nicht nur Handelsnamen), und wichtige Diagnosen in einfacher Sprache. Auf Fernreisen ist es sinnvoll, dieses Blatt auch in englischer Sprache mitzuführen. In manchen Ländern kann eine Übersetzung in die Landessprache Leben retten.
Wer chronisch krank ist oder regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente einnimmt, sollte zudem wissen, dass viele Wirkstoffe im Ausland andere Handelsnamen tragen oder in dieser Form nicht erhältlich sind. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte gibt auf seiner Website Auskunft über Zulassungsstatus und Besonderheiten bei der Mitnahme von Medikamenten ins Ausland, etwa was die Mengenregelungen bei Betäubungsmitteln betrifft.
Die Vorbereitung beginnt zu Hause
Wer erst am Flughafen anfängt, die Reiseapotheke zusammenzustellen, macht es sich unnötig schwer. Grundlagen zur Krisenvorsorge für Deutschland, Österreich und die Schweiz bietet Prepper. Die Notfallkontakte sollten spätestens eine Woche vor der Abreise zusammengestellt und ausgedruckt sein. Ein laminierter Zettel in der Reiseapotheke übersteht auch einen Regenschauer. Zusätzlich lohnt es sich, die wichtigsten Nummern im Handy unter einem auffälligen Kürzel wie „NOTFALL“ zu speichern, sodass auch andere Personen im Ernstfall schnell darauf zugreifen können.
Reisen bleibt trotz aller Vorbereitung mit einem Restrisiko verbunden. Aber wer strukturiert plant, wer weiß wen er anruft, wie er ihn erreicht und welche Informationen er bereithalten muss, ist in einem echten Notfall um entscheidende Schritte schneller. Die beste Reiseapotheke ist die, die man hoffentlich nie braucht. Aber wenn man sie braucht, sollte sie vollständig sein.
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